Fahrradklimatest Ergebnisse für Lilienthal

ADFC-FAHRRADKLIMA-TEST 2018

Die Ergebnisse sind da! Vielen Dank fürs Mitmachen und die Unterstützung!

Macht Radfahren in Deiner Stadt Spaß oder ist es Stress? Vom 01. September bis zum 30. November konnten Radfahrende in Deutschland wieder über das Radklima in ihren Städten und Gemeinden abstimmen. Wie die Städte und Gemeinden aktuell abgeschnitten haben, verrät die
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Die Ergebnisse stellte der ADFC am 9. April in Berlin vor. Die erfolgreichsten Städte zeichnete Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer aus.

Alle 683 bewerteten Städte, das Ranking und weitere Ergebnisse finden sich in der
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Die Ergebnisse für Lilienthal lassen sich hier einsehen und als PDF herunterladen:

Leitet Herunterladen der Datei einAuswertung der Antworten auf die Fragen 1-27

Leitet Herunterladen der Datei einFreitext Antworten auf die Frage 28

Leitet Herunterladen der Datei einÜbersicht der Wertung auf die Fragen 1-27

 


Radverkehr in Lilienthal.

ADFC-Pressemitteilung zur Kommunalwahl am 11.09.2016: Wer rettet den Radverkehr in Lilienthal?

 

Im August 2014 kurz nach der Eröffnung der Linie 4, als sowohl die Straßenbahnstrecke als auch die Ortsentlastungsstraße fertiggestellt waren, äußerte sich der damalige Leiter des Fachbereichs Baudienste folgendermaßen: „Mit dem Bau der Entlastungsstraße und der Linie 4 haben wir […] Weichen für die Zukunft gestellt.“ (Wümme-Zeitung vom 29.08.2014) Was möglicherweise für den öffentlichen Personennahverkehr und den motorisierten Individualverkehr gilt, trifft auf den Radverkehr leider noch lange nicht zu. Dass Herr Lütjen den Radverkehr damals nicht erwähnt hat, hat seinen Grund. Lilienthal besitzt leider kein Konzept für den Radverkehr und entsprechend ist es um die Radverkehrsinfrastruktur hier im Ort bestellt.

Deutlich wird das gleich an mehreren Punkten:

  1. Der Radverkehr in Lilienthal wird ganz überwiegend gemeinsam mit den Fußgängern geführt. Beispiele hierfür sind der neu angelegte Straßenzug Hauptstraße/Falkenberger Landstraße oder der Jan-Reiners-Weg.
  2. Die StVO-Novelle von 1997, die bestimmte Mindestkriterien für benutzungspflichtige Radwege festlegte, ist auf wesentlichen Strecken noch immer nicht umgesetzt, z.B. entlang der Moorhauser Landstraße oder in der Trupermoorer Landstraße.
  3. Wesentlche Erkenntnisse aus der Unfallforschung werden ignoriert: Beispiel Trupe. Dort wird ohne Not kurz vor der Kreuzung mit der Lilienthaler Allee der Radverkehr aus dem Sichtfeld der Autofahrer heraus geführt auf einen benutzungspflichtigen Gehweg. An dieser Stelle erlitt vor zwei Jahren ein Radfahrer tödliche Verletzungen, als er von einem abbiegenden Trecker erfasst wurde. (Wümme-Zeitung vom 13. und 15.10.2014)
  4. Mangelnde Stetigkeit in der Führung. Beispiel Trupermoorer Landstraße. Wer vom neugebauten Kreisel in die Trupermoorer Landstraße einfährt, wird zunächst auf den rechten Gehweg geführt, an der nächsten Einmündung endet die Fahrt unvermittelt und der Radfahrer muss auf die linke Seite wechseln, wo die Platzverhältnisse die angeordnete Benutzungspflicht sehr zweifelhaft erscheinen lassen, ganz abgesehen davon, dass man auf einem linksseitigen Radweg immer einer erhöhten Gefahr ausgesetzt ist, übersehen zu werden.
  5. Der Radverkehr wird bei Baumaßnahmen schlicht vergessen. Beispiel Trupe Einmündung Hauptstraße. Wer von der Trupe links in die Hauptstraße einbiegen möchte, kann dort lange warten. Die rote Ampel springt nur dann um, wenn ein Auto die Induktionsschleife überfährt.

Diese Punkte stellen nur einen kleinen Ausschnitt dessen dar, was die Entwicklung des Radverkehrs in Lilienthal beeinträchtigt. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass es natürlich auch in Lilienthal positive oder zumindest gut gemeinte Maßnahmen bezüglich des Radverkehrs gibt. Das ändert aber nichts daran, dass insgesamt ein Konzept fehlt.

Dass es auch anders geht, kann man z.T. in Bremen sehen. Bremen hat im großen Konsens aller in der Bürgerschaft vertretenen Parteien das Verkehrsentwicklungsprogramm 2025 verabschiedet, welches u.a. vorsieht, für den Radverkehr eine sogenannte Premiumroute 1 von Delmenhorst über Huchting/Innenstadt/Borgfeld bis nach Lilienthal zu führen. In Lilienthal hingegen hat der Jan-Reiners-Weg als einzige halbwegs für diese Aufgabe in Frage kommende Strecke in der jüngsten Vergangenheit unter dem Bau der Entlastungsstraße und der Straßenbahn gelitten. (Verschlechterungen an den Kreuzungen Truperdeich, Torneestraße, Dr. Sasse-Straße, Falkenberger Landstraße/Timkenweg, Lilienthaler Allee). Anstatt, dass man jetzt schaut, wie man den Jan-Reiners-Weg besser gestalten kann, wird er noch weiter kaputt gemacht. Damit der Edeka-Markt vergrößert werden kann (nicht nur größere Verkaufsfläche, sondern auch mehr und breitere Stellplätze für immer größer werdende Autos), verliert der Jan-Reiners-Weg an einer weiteren Stelle seine geradlinige Führung und bekommt im Gegenzug vier enge Kurven dazu.

Wie in Zukunft bei steigender Einwohnerzahl, steigendem Radverkehrsanteil und nicht zuletzt immer größer werdender Zahl an Pedelecs, der Radverkehr in Lilienthal sicher, zügig und komfortabel abgewickelt werden soll, erscheint uns unter diesen Voraussetzungen schleierhaft.

Ein „Weiter so“ darf es aus unserer Sicht nicht geben. Bevor weitere Fakten geschaffen werden, die die Entwicklung des Radverkehrs zusätzlich einschränken, sollte Lilienthal unbedingt von Fachleuten ein Radverkehrskonzept erarbeiten lassen.

Im Grunde genommen gibt es bereits vieles, was man braucht um den Radverkehr zu fördern. Die Kommunen müssten es nur konsequent umsetzen. So hat der Bundestag mit den Stimmen aller Fraktionen schon 2002 einen Nationalen Radverkehrsplan beschlossen mit dem Ziel den Radverkehrsanteil deutlich zu erhöhen. In der aktuellen Fassung dieses Radverkehrsplans wird ausdrücklich auf die Empfehlungen für Radverkehrsanlagen 2010 (ERA 2010) als „geeignete Grundlage für die Planung sicherer Führungsformen des Radverkehrs“ (S. 20) verwiesen. Wenn man bei jedem Neu- und oder Umbau die ERA beachten würde, wäre schon viel gewonnen. Die Stärke der ERA liegt aber nicht nur darin, dass sie zu vielen Einzelmaßnahmen Standardlösungen bieten, die auch Problemstellen nicht ausklammern, sondern auch darin, dass sie den Gemeinden nahelegen sich ein integriertes Radverkehrskonzept zuzulegen, mit dem man langfristig ein gutes Radverkehrsnetz für den Alltagsverkehr schaffen kann. Aufgrund seiner Topographie, seiner Siedlungsstruktur und seiner Nähe zur Großstadt hat Lilienthal eigentlich gute Voraussetzungen um seinen Radverkehrsanteil deutlich zu steigern. Dieses käme allen zugute. Daran würden wir gerne mit der Verwaltung, der Politik und anderen Partnern arbeiten.

Da uns diese Sache einerseits ein wichtiges Anliegen ist und andererseits die Wahlprogramme der Parteien und Kandidaten in Sachen Radverkehr wenig konkret sind, möchten wir auf diesem Wege gerne die verschiedenen Parteien und Bürgermeisterkandidaten um eine Stellungnahme dazu bitten. Unsere Fragen an die antretenden Parteien und BürgermeisterkandidatInnen sind:

  1. Werden Sie sich dafür einsetzen, dass Lilienthal ein Radverkehrskonzept bekommt, so wie es in den Empfehlungen für Radverkehrsanlagen 2010 von der FGSV vorgesehen ist?
  2. Werden Sie sich dafür einsetzen, dass bei allen zukünftigen Bau- und Verkehrsangelegenheiten von denen der Radverkehr betroffen ist, die  ERA 2010 berücksichtigt werden?
  3. Werden Sie sich dafür einsetzen, dass die StVO-Novelle von 1997 endlich auch in Lilienthal umgesetzt wird und dementsprechend die Radwegbenutzungspflicht überall dort aufgehoben wird, wo die Radwege nicht einmal die gesetzlichen Mindestkriterien erfüllen?
  4. Werden Sie sich dafür einsetzen, dass die Radschnellverbindung, die in Bremen zukünftig und teilweise schon jetzt die Bremer Stadtteile Huchting, Mitte und Borgfeld miteinander verbindet (sogenannte Premiumroute 1 des VEP 2025), auf Lilienthaler Gebiet fortgesetzt wird?
  5. Wie haben Sie bzw. Ihre Fraktion sich in der letzten Legislaturperiode für die Belange des Radverkehrs in Lilienthal eingesetzt?

Wir sind gespannt zu hören, welche Vorstellungen die verschiedenen Parteien/Kandidaten zu diesen Ideen haben und würden wie bereits gesagt sehr gerne in der kommenden Legislaturperiode mit möglichst vielen Partnern an dieser Aufgabe zusammenarbeiten.

Über den ADFC

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club e.V. (ADFC) ist mit mehr als 175.000 Mitgliedern die größte Interessensvertretung der Radfahrerinnen und Radfahrer in Deutschland und weltweit. Die ADFC-Ortsgruppe Lilienthal setzt sich insbesondere für sicheren, zügigen und komfortablen Radverkehr ein.

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