Häufig gestellte Fragen zu Fahrradpiktogrammen in der Hauptstraße

Die ADFC-Ortsgruppe Lilienthal setzt sich dafür ein, dass in der Hauptstraße Fahrradpiktogramme zwischen den Schienen aufgebracht werden. Diese Forderung stößt nicht immer gleich auf Verständnis. Deshalb haben wir hier die Antworten auf die häufigsten Fragen zusammengestellt:

Warum möchten wir Fahrradpiktogramme zwischen den Schienen haben?

Als ADFC-Ortsgruppe Lilienthal setzen wir uns für Fahrradpiktogramme zwischen den Schienen ein, weil es insgesamt die Verkehrssicherheit erhöht. Wie erhöhen Fahrradpiktogramme die Sicherheit?

Zahlreiche Verkehrsteilnehmer gehen heutzutage leider immer noch davon aus, dass Radfahrer bei der Beschilderung Gehweg/Radfahrer frei nicht auf der Fahrbahn fahren dürfen. Manche Autofahrer versuchen durch Hupen oder unangepasste Fahrweise Radfahrer auf den Gehweg zu nötigen. Die Piktogramme signalisieren aber eindeutig, dass Radfahrer sehr wohl auf der Fahrbahn fahren dürfen. Dementsprechend werden solche Piktogramme bei baulichen Zwangslagen auch in den von der FGSVi herausgebrachten ERA 2010ii empfohlen.

Ist es nicht gefährlich zwischen den Schienen zu fahren?
Grundsätzlich gibt es bei einem straßenbündigen Bahnkörper, wie er Lilienthal gebaut wurde, zwei Möglichkeiten mit dem Rad auf der Fahrbahn zu fahren. Entweder mittig zwischen den Schienen einer Richtungsfahrbahn oder rechts zwischen der Außenschiene und dem Fahrbahnrand. Das Fahren zwischen Außenschiene und Fahrbahnrand gilt als gefährlicher, weil der Raum hier enger ist. Hinzukommen besondere Gefahrenstellen wieLängsparker und Straßenbahnhaltestellen. Bei Straßenbahnhaltestellen wird der Raum zwischen Schiene und Fahrbahnrand noch enger und es besteht zusätzlich die Gefahr mit der Pedale am Bordstein hängenzubleiben. Bei Längsparkern kann man durch unachtsam geöffnete Autotüren zu Fall gebracht werden oder durch plötzliches Ausweichen in die Schiene geraten. Fährt man dagegen zwischen den Schienen, hat man mehr Platz und einen besseren Sicherheitsabstand zu Längsparkern. Außerdem ist die Gefahr hier kleiner von Autos mit zu geringem Abstand überholt zu werden.

Ist es also vollkommen ungefährlich zwischen den Schienen zu fahren?
Nein. Man muss die Schienen zumindest beim Ein- und Ausfahren in die und aus der Hauptstraße queren. Wenn man dabei einen zu spitzen Winkel wählt, bleibt man in den Schienen hängen. Andererseits geschieht dieses Ein- und Ausfahren aber kontrolliert im Gegensatz zum plötzlichen Ausweichen vor einer Autotür. Deswegen sollte es im Normalfall in einem genügend großen Winkel möglich sein. Auch wenn durch die größere Breite zwischen den Schienen das Geradeausfahren im Allgemeinen unproblematischer sein sollte als am Fahrbahnrand ist es natürlich auch dann nicht komplett ausgeschlossen, dass man beispielsweise durch Unachtsamkeit in eine Schiene gerät.

Warum fahren dann nicht alle Radfahrer auf dem Fußweg?
Leider ist der Fußweg noch weniger für sicheren, zügigen und komfortablen Radverkehr ausgelegt als die Fahrbahn mit Schienen. Raten die ERA (S. 27) schon im Allgemeinen innerorts von der gemeinsamen Führung des Rad- und Gehverkehrs eher ab, so gilt dieses für die Hauptstraße in Lilienthal ganz besonders. Denn: „Die gemeinsame Führung mit dem Fußgängerverkehr ist [...] nur dort vertretbar, wo sie Netz- und Aufenthaltsfunktion beider Verkehre gering ist.“ (ebd.) Zudem finden sich in der Hauptstraße zahlreiche an den Gehweg angrenzende Hauseingänge, untergeordnete Knotenpunkts- und Grundstückszufahrten sowie Haltestellen. Nicht umsonst sieht die StVO in §2 vor, dass Fahrräder und andere Fahrzeuge auf die Fahrbahn gehören. Abgesehen davon muss man als Radfahrer seine Geschwindigkeit auf die Fußgänger einstellen und ggf. Schrittgeschwindigkeit fahren. Das Fahrrad wird seiner Rolle als Fahrzeug dann nicht mehr gerecht.

Bringt es nicht den Fahrplan der Linie 4 durcheinander, wenn dort ein Fahrrad zwischen den Schienen fährt?
Unabhängig von den Piktogrammen dürfen Radfahrer auch jetzt schon auf der Fahrbahn fahren. Dabei können sie – gleich ob zwischen oder neben den Schienen fahrend – nicht von einer Straßenbahn überholt werden. Wir haben kein Interesse daran den Fahrplan der Straßenbahn durcheinander zu bringen. Aber die Einhaltung eines Fahrplans dadurch zu gewährleisten, dass man die Sicherheit des Radverkehrs vernachlässigt, kommt für uns nicht infrage. Abgesehen davon gilt nach §2(3) der StVO, dass man Schienenfahrzeuge „soweit möglich, durchfahren lassen“ muss. Dementsprechend sollte es kein Problem sein, dass Radfahrer, die aus einer Seitenstraße einbiegen wollen, eine in Sichtweite befindliche Straßenbahn zunächst passieren lassen.

Darf ein Fahrrad überhaupt mittig zwischen den Schienen gefahren werden? Es gilt doch das Rechtsfahrgebot?
Das Rechtsfahrgebot besagt, dass man grundsätzlich möglichst weit rechts fahren sollte, allerdings ohne sich dabei selbst zu gefährden. Allein schon der Umstand, dass direkt neben der Fahrbahn gelegentlich Stellplätze für PKW eingerichtet sind, macht es für einen Radfahrer gefährlich zu weit rechts zu fahren. Er darf also selbstverständlich zwischen den Schienen fahren und sollte wenn er schon dort ist, auch dort bleiben, bis er die Fahrbahn verlässt, weil ein ständiges Wechseln zwischen Fahrbahnmitte und Fahrbahnrand durch mehrfaches spitzwinkliges Schienenqueren eine unzumutbare Gefahr darstellt.

Zwingen die Piktogramme Radfahrer zwischen den Schienen zu fahren?
Nein, die Piktogramme haben lediglich hinweisenden Charakter und somit kann jeder Radfahrer auch stattdessen zwischen Außenschiene und Fahrbahnrand fahren.

Zwingen die Piktogramme Radfahrer auf der Fahrbahn zu fahren?
Nein, auch hier gilt: Die Piktogramme haben lediglich hinweisenden Charakter. Die Verkehrszeichen Gehweg/Radfahrer frei bleiben erhalten und somit kann jeder Radfahrer auch weiterhin (unter besonderer Rücksichtnahme auf Fußgänger) den Gehweg benutzen.

Wo fahren mehrspurige Fahrräder?
Mehrspurige Fahrräder, z.B. Räder mit Anhängern, sind bei der Planung noch weniger berücksichtigt worden als herkömmliche Fahrräder. Auf dem Gehweg sind sie aufgrund ihrer Größe noch schlechter unterwegs als einfache Fahrräder. Am Fahrbahnrand reicht der Platz gar nicht erst aus. Mittig zwischen den Gleisen ist besondere Konzentration gefragt, um nicht in eine der Schienen zu gelangen.

Was sagt die Gemeinde zu den Piktogrammen?
Die Verwaltung lehnt die Piktogramme ab. Sie stützt sich dabei auf die Stellungnahme des Betriebsleiters der BSAG. Dieser behauptet die Piktogramme würden die Unfallgefahr erhöhen, da sich Radfahrer genötigt sehen könnten zwischen den Schienen zu fahren. Dabei könne es passieren, dass sie in einer Rille hängenbleiben. Hieraus schließt er weiter, der Straßenbaulastträger könne wegen der Piktogramme verklagt werden, weil Radfahrer, die stürzen, angeben könnten, sie seien nur aufgrund dieser Piktogramme über die Schiene gefahren und so in Gefahr geraten. Diese Argumentation erscheint uns abenteuerlich. Wie schon ausgeführt, ist gerade das Fahren am Fahrbahnrand gefährlicher als zwischen den Schienen. Offensichtlich sehen das die Radverkehrsexperten der FGSV ähnlich wie wir. Die Gefahr einer Klage wegen der Piktogramme sehen wir auch nicht. Soviel wir wissen hat es zwar in der Vergangenheit mehrfach Klagen wegen Straßenbahnschienen gegeben. Es ist uns aber kein Fall bekannt, wo eine solche Klage explizit wegen der Piktogramme erfolgreich war. Dieses wäre insbesondere seit 2010 auch merkwürdig, weil die ERA 2010 diese Piktogramme vorschlagen und zudem diese Piktogramme lediglich hinweisenden Charakter haben. Ein Straßenbaulastträger könnte hierauf verweisen. Außerdem stellt sich die Frage, ob sich der Straßenbaulastträger bei Weglassen der Piktogramme nicht ebenfalls der Gefahr aussetzt bei einem Unfall verklagt zu werden. Schließlich hätte er, obwohl nachweislich darauf aufmerksam gemacht, diese der Sicherheit des Radverkehrs dienende Maßnahme bewusst abgelehnt.

Haben wir dann mit den Piktogrammen gute Bedingungen für den Radverkehr in der Hauptstraße?
Nein. Die Piktogramme würden die Situation für Fahrbahnradler zwar spürbar verbessern, insgesamt jedoch ist weder das Fahren auf der Fahrbahn noch das auf dem Gehweg optimal. Die ERA (S. 30f.) empfehlen eigentlich eine Führung sowohl unabhängig vom Gleiskörper als auch unabhängig vom Gehweg. Dieses konnte oder wollte man im Ortskern nicht realisieren, obwohl hier zahlreiche Ziele des Radverkehrs liegen. Um die Straßenbahn zu ermöglichen hat man also zu einem Kompromiss auf Kosten der Fußgänger und der Radfahrer gegriffen.

Gibt es Alternativen in der Verkehrsführung?
Ein kompletter Umbau dürfte aufgrund der Platzverhältnisse und der Kosten auf absehbare Zeit ausgeschlossen sein. Umso wichtiger wäre es die alternativen Fahrradrouten in Längsrichtung (z.B. Jan-Reiners-Weg sowie Mühlendeich/Mehlandsdeichweg) fahrradfreundlicher zu gestalten. Allerdings hat der Jan-Reiners-Weg bereits unter dem Bau der Entlastungsstraße sowie der entsprechenden Zubringer (Dr.-Sasse-Str./Torneestr.) gelitten. Statt einer Verbesserung ist in absehbarer Zeit zudem eine weitere Verschlechterung geplant. Um die Pläne eines privaten Investors zu ermöglichen soll der Jan-Reiners-Weg in Moorhausen nicht mehr geradlinig, sondern um den neu zu bauenden Edeka-Markt herumgeführt werden.

Was wäre also aus ADFC-Sicht zukünftig wichtig in Lilienthal?
Im Grunde genommen gibt es bereits vieles, was man braucht um den Radverkehr zu fördern. Die Kommunen müssten es nur konsequent umsetzen. So hat der Bundestag mit den Stimmen aller Fraktionen schon 2002 einen Nationalen Radverkehrsplan beschlossen mit dem Ziel den Radverkehrsanteil deutlich zu erhöhen. In der aktuellen Fassung dieses Radverkehrsplans wird ausdrücklich auf die ERA 2010 als „geeignete Grundlage für die Planung sicherer Führungsformen des Radverkehrs“ (S. 20) verwiesen. Wenn man bei jedem Neu- und oder Umbau die ERA beachten würde, wäre schon viel gewonnen. Die Stärke der ERA liegt aber nicht nur darin, dass sie zu vielen Einzelmaßnahmen Standardlösungen bieten, die auch Problemstellen nicht ausklammern, sondern auch darin, dass sie den Gemeinden nahelegen sich einintegriertes Radverkehrskonzept zuzulegen, mit dem man langfristig ein gutes Radverkehrsnetz für den Alltagsverkehr schaffen kann. Aufgrund seiner Topographie, seiner Siedlungsstruktur und seiner Nähe zur Großstadt hat Lilienthal gute Voraussetzungen um seinen Radverkehrsanteil deutlich zu steigern. Dieses käme allen zugute. Daran würden wir gerne mit der Verwaltung, der Politik und anderen Partnern arbeiten.

 

© 2017 ADFC Osterholz